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Endstation

(Weihnachtsgeschichte 2017)

 

Graue Wolken hingen tief am Himmel. Es herrschte eine Stimmung die melancholisch, und depressiv machen konnte. Er saß im Hotelspeisesaal, in dem sich außer ihm nur die Servicekraft aufhielt. Heute Abend wird nicht viel mehr los sein, dachte er sich. Am Heiligen Abend ist das nun mal so. Alle feiern im Kreise der Familie oder Freunden.

Familie hatte er noch, Freunde nicht mehr. Dass er keine Freunde mehr hatte belastete ihn nicht sehr. Waren es doch durchweg Personen denen der Bezug zur Realität fehlte, wie er immer wieder feststellen musste. Obwohl er durchaus fähig gewesen wäre mit ihnen Freundschaften zu unterhalten, hatten sich alle diese Personen auf Dauer als freundschaftsunfähig erwiesen. Wesentlicher Grund für diese Unfähigkeit, davon war er überzeugt, war, dass sie alle mehr mit Bauch und Herz dachten, statt mit dem Kopf.

Noch während des Frühstücks eruierte er, ob es noch eine Möglichkeit geben würde, zum Heiligen Abend bei seiner Familie zu sein. Er hatte sich zwar schon vor Wochen dafür entschuldigt, dass er an Weihnachten geschäftlich verhindert sein würde. Aber vielleicht lohnte es sich doch, wie üblich im Kreise der Eltern, Geschwister und all den anderen Verwandten, zu feiern. Sein Smartphone zeigte ihm eine Möglichkeit bis zum Spätnachmittag im Hause seiner Eltern zu sein, wo Weihnachten gefeiert wurde. Er buchte Flug, sowie Mietwagen und machte sich auf den Weg zum Flughafen. Sozusagen wie aus heiterem Himmel entschloss er sich zu dieser Reise.

Es waren noch knapp 50 Kilometer bis zu den Eltern und er empfand es äußerst angenehm auf dieser leeren Landstraße mit dem gemieteten Auto unterwegs zu sein. Es war natürlich ein Oberklasseauto, das auf dem allerneuesten technischen Stand war. Das Wetter war hier auch nicht besser, als an dem Ort, wo er noch heute Morgen gewesen war. Jetzt am Nachmittag konnte man den Eindruck gewinnen, es wäre schon 5 Uhr oder später, obwohl es erst halb Drei war.

Ein kleines Ruckeln war im Auto zu spüren, der Motor ging aus und nichts mehr funktionierte. Er ließ den Wagen ausrollen. Versuche, das Auto wieder in Bewegung zu setzen, blieben erfolglos. Mit seinem Handy wollte er Hilfe holen, aber er befand sich in einem Funkloch. Durch Wechseln seines Standortes versuchte er Verbindung zu der Welt, die ihm Hilfe bringen konnte, zu bekommen. Es wurde aber weiterhin „kein Netz“ auf dem Display angezeigt.

Schon seit geraumer Zeit war ihm kein Auto mehr entgegengekommen. Die Chance durch einen vorbeifahrenden Autofahrer oder Autofahrerin geholfen zu bekommen war an diesem Heiligen Abend Nachmittag sehr gering. Alles was er sehen konnte war weites Land ringsum, mit keinerlei Anzeichen von Menschensiedlungen. Ratlos schaute er die Straße entlang, wohin er musste und die Straße zurück, woher er kam. Die letzten 20 Kilometer war er lediglich an Feldern und Wälder vorbeigefahren. Nirgends war auch nur das kleinste Anzeichen auf die Anwesenheit von Menschen gewesen. Nach den Gesetzen der Statistik würde er schneller Hilfe bekommen, wenn er die Straße weiter in die Richtung ging, in der er unterwegs gewesen war. Es war der Weg nach Hause.

Zu Fuß machte er sich auf und schon nach einigen Minuten kam er an eine Bushaltestelle. Wo Bushaltestellen sind, da gibt es auch Menschen und wo es Menschen gibt, da kann er auch Hilfe bekommen. Rund um die Haltestelle war aber nichts zu sehen, was auch nur entfernt auf eine menschliche Behausung gedeutet hätte.

Der in der Haltestelle angeschlagene Fahrplan zeigte alle Stationen, die die Linie anfuhr. Dahinter standen die Abfahrtszeiten. Er hatte Glück, denn am heutigen Heiligen Abend kam noch ein Bus. In eineinhalb Stunden würde er kommen und bis zur nächsten Haltestelle würde er 20 Minuten fahren. 20 Minuten auf der Landstraße mit dem Bus fahren, damit würde eine Strecke zurückgelegt, die man als normaler Mensch niemals in 1 ½ - 2 Stunden zurücklegen könne. Auf Grund dieser Gegebenheiten entschloss er sich an der Bushaltestelle zu warten, denn mit dem Bus wäre er dann in 50 Minuten in der Stadt, in der man auch am Heiligen Abend einen Mietwagen oder zumindest ein Taxi bekommen könnte. So könnte er zwar nicht den Beginn des Familienweihnachtsfestes miterleben, dafür aber den immer sehr lustigen vorgeschrittenen Teil der Feier.

Er saß nicht lange in dem Wartehäuschen, da sah er Scheinwerfer, aus der Richtung in die er wollte, auf sich zukommen. Es war der Bus, der aus der Stadt kam. Der Omnibus, der keine Fahrgäste beförderte, hielt an der Haltestelle, die gegenüber von der lag in der er wartete. Der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und rief dem Wartenden zu, er solle doch zu ihm einsteigen. Im Bus sei es warm und trocken und er würde sowieso in diesen Bus einsteigen, wenn er auf der Rückfahrt in die Stadt sei. Außerdem, so betonte der Chauffeur, würde er nichts für die Fahrt bezahlen müssen, denn er hatte noch nie erlebt, dass am Heiligen Abend nachmittags Fahrscheinkontrolleure unterwegs waren. Und er hätte schon an vielen Heiligen Abenden den Bus gesteuert.

Er stieg in den Autobus, der erst einmal in die entgegengesetzte Richtung fuhr in die wollte. Während der Fahrt fragte er den Fahrer, ob er vielleicht an der Endstation ein Fahrzeug mieten könne. Vom Buslenker erfuhr er, dass an der Endstation außer der Haltestelle nichts zu finden wäre, ganz so wie an der Halterstelle wo er zugestiegen war.

Bushaltestellen einzurichten, wo nichts ist, nicht einmal Fahrgäste, wollte ihm nicht einleuchten. Dies war sozusagen eine Buslinie, die rund 50 Kilometer ins Nichts führte. Nachdem ihm der Busfahrer erklärte, dass das Busunternehmen, für das er arbeitete, verpflichtet wurde das Gebiet bis zur Landesgrenze abzudecken, hatte man die Haltestelle an der Grenze eingerichtet und wurde auf den Namen „Landesgrenze“ getauft. Weil aber die Strecke zur Landesgrenze so lang war, hatte man vorher eine „Zahlgrenze“ eingeführt. Da aber „Zahlgrenzen“ an Haltestellen gebunden sind, hatte man die Haltestelle „Zahlgrenze“ mitten aufs freie Feld gesetzt. Für ihn war diese Haltestelle heute seine Rettung, aber so richtig verstehen konnte er immer noch nicht, warum hier Busse ins Nichts fuhren.

Während der Fahrt schaute er immer wieder auf sein Handy mit der Hoffnung, dass es endlich ein Netz gefunden hätte. Der Busfahrer schaute ihm dabei nur lächelnd an und gab ihm den Rat, dass er sich das sparen könne. Erst auf der Rückfahrt hätte er kurz vor der Stadt wieder ein Netz für sein Smartphone. Nun könne er sich entspannen und vielleicht ein bisschen schlafen.

Der Bus hielt an der Endstation und weil es bis zur Rückfahrt eine Stunde dauerte stieg er aus um sich hier in der Einsamkeit der Landschaft etwas die Füße zu vertreten. Saß er doch bis jetzt fast schon den ganzen Tag. Bei seinem kleinen Spaziergang kam er an ein großes Feld. Im letzten Licht des Tages sah er eine Handvoll Raben das ganze Feld für sich beanspruchen und sich den Bauch vollschlagend. Obwohl das Feld genügend Nahrung für alle Vögel hatte, mussten die kleinen Vögel am Feldrand warten, bis die großen schwarzen Vögel sich satt gefressen hatten.

Unter den kleinen Vögeln erkannte er Spatzen, Meisen und auch Rotkehlchen. Dabei erinnerte er sich, dass er in der Schule einmal alle heimatlichen Kleinvögel gekannt hatte. Dem Lehrer, dem er dies zu verdanken hatte, war irgendwie wie ein bunter Vogel gewesen. Seine ganze Liebe gehörte der Natur mit den Pflanzen und Tieren. Mehr wollte er nicht und er war damit zufrieden, auch wenn er von den Schülern und auch den Kollegen damals oftmals nicht ernst genommen wurde, wegen seiner Lebensart. An seinen Namen, Oberlehrer Brandl, erinnerte er sich noch, aber nicht mehr an alle Namen der Vögel. So sah er am Feldrand auch Vögel, deren Namen er mittlerweile vergessen hatte. In ihm stieg ein Gefühl hoch, das ihn spüren ließ, dass diese kleinen Vögel nicht verdient hatten, dass er ihre Namen vergessen hatte. Als er weiterging galt seine Sympathie den kleinen Vögeln, die geduldig am Rand warteten, in den Krumen nach Nahrung picken zu dürfen. Dabei machten die kleinen Geschöpfe einen zufriedeneren Eindruck als die großen aufgeplusterten Raben. Diesen Eindruck hatte er zumindest.

Als er zum Bus zurück kam standen dort am Straßenrand zwei Männer. Einer hatte drei große Weidenkörbe und eine Gans bei sich. Der andere Mann schien Obdachlos zu sein und hatte einen Sack bei sich in dem sich wohl allerlei Schätze befanden. Er ging zu den Beiden hin und schaute ihnen zu, wie sie das bekannte Gänsespiel spielten. Dafür drehte der Mann mit den Körben und der Gans die Körbe um. Einen Korb stülpte er über die Gans, so dass diese nicht mehr zu sehen war. Der scheinbar Obdachlose nahm eine bunte leere Getränkedose aus dem Sack, die er als Spieleinsatz vor sich hinstellte. Sein gegenüber setze als Einsatz Reichtum und begann die Reihenfolge der Körbe zu verändern und der andere musste dann den Korb anzeigen, unter der die Gans saß. Hatte er richtig gedeutet, so hatte er gewonnen. Im anderen Fall hatte er seinen Einsatz verloren. Das erste Spiel hatte der Mann mit dem Sack verloren und er hatte aus seinem Sack einen weiteren Einsatz geholt. Dabei handelte es sich um ein Stück Strick, der sich hervorragend als Gürtel verwenden ließ. Auch das zweite Spiel ging sozusagen an die Gans.

Er verfolgte die beiden Spielenden ganz genau und dabei merkte er, dass bei der Veränderung der Korbreihenfolge nur die leeren Körbe langsam verschoben wurden und der Korb mit der Gans nie bewegt wurde. Schaute man nur auf den Korb mit der Gans, so konnte man jedes Spiel gewinnen. Dass der Mann mit dem Sack immer danebenlag, führte er auf dessen geringe kognitive Fähigkeiten zurück. Nachdem der Sack leer und der Obdachlose nichts mehr zum Einsetzen hatte fragte der Korb-Rücker ihn, ob er gegen ihn und die Gans spielen wolle. Er war nicht abgeneigt, wollte aber wissen ob er weiterhin Reichtum einsetzen würde. Nachdem er diesen Einsatz bestätigt bekam, wollte er wissen ob es genügen würde, wenn er Tausend Euro setzen würde. Mehr Geld hätte er nicht bei sich. Dagegen hatte der Mann mit der Gans nichts einzuwenden und sie fingen mit dem Spiel an.

Der Gänsespieler begann die Reihenfolge der Körbe auf die gewohnte Weise zu verändern. Er haftete seinen Blick fest auf den Korb unter der die Gans saß. Als er aufgefordert wurde auf den Korb mit der Gans zu deuten, saß dies auch darunter. Beim nächsten Spiel setzte der Gänsespieler Schönheit bis ins hohe Alter gegen die Tausend Euro. Auch beim zweiten Spiel ließ er den Blick nicht von dem Korb mit der Gans und so hatte er zum Reichtum auch Schönheit gewonnen.

Bisher glaubte er zwar nicht, dass sich seine Gewinne in der Realität verwirklichen würden, aber weil der Korb mit der Gans nie bewegt wurde, ging er kein Risiko ein sein Geld zu verlieren. Als er jedoch die Schönheit gewonnen hatte, fragte er, wann sich denn die Schönheit bemerkbar machen würde? Beim Gänsespiel macht sich jeder Gewinn sofort bemerkbar, bekam er zur Antwort. Daraufhin zog er sein Smartphone aus der Tasche und aktivierte die Kamerafunktion. Obwohl sich sein Aussehen nicht verändert hatte, war seine ganze Erscheinung nun von erkennbarer Schönheit geprägt. Er verstand zwar nicht, was sich hier abspielte, aber was konnte er schon verlieren, dachte er sich und spielte unbekümmert weiter.

Als nächstes konnte er allgemeine Beliebtheit gewinnen. Angesichts der Tatsache, dass sich alle seine Freunde nach und nach von ihm abgewandt hatten, war dies für ihn eine lockende Aussicht und er setzte gerne weiterhin seine Tausend Euro. Die Körbe wurden wie gehabt bewegt und wie gehabt lag er auch diesmal wieder richtig mit dem Gänsekorb. Nun war er in einen richtigen Spielrausch und als er vernahm, was als nächstes zu gewinnen war, vergaß er alle Vernunft. Der Korb Rücker setzte nun ewiges Leben als Gewinn ein. Statt den Tausend Euro sollte er aber jetzt alle bisherigen Gewinne wie, Reichtum, Schönheit und Beliebtheit, auf einmal setzen. Er war damit sofort einverstanden, denn er war der festen Überzeugung, dass er wiedergewinnen würde und dies, weil er es mit einem, nach seiner Ansicht, nicht gerade begabten Spieler zu tun hatte.

Die Einsätze standen, die Körbe wurden bewegt und wie immer wurde der Korb, unter der die Gans steckte, nicht bewegt. Als er nun auf den nichtbewegten Korb deutete hob der Gänsespieler den Korb hoch und darunter saß keine Gans. Mit offenen Mund starrte er auf die Stelle, wo eigentlich die Gans sein sollte und er fing an sein Gegenüber zu beschimpfen und ihn des Betruges zu bezichtigen. Der Beschimpfte wurde daraufhin handgreiflich in dem er auf ihn zuging und ihn am Revers seines Jacketts packte. Aus Angst wich er zurück und bat darum nicht geschlagen zu werden.

„Ich schlage sie nicht“, hörte er, machte die Augen auf und blickte in das Gesicht des Busfahrers, der ihn darauf aufmerksam machte, dass sie nun wieder ein Netz hätten. Da er nicht wusste wie dringend jemand auf eine Nachricht von ihm wartete, habe er sich entschlossen ihn zu wecken.

Er brauchte etwas bis er sich wieder voll orientiert hatte und er wollte vom Busfahrer wissen, wie lange er geschlafen habe. Dieser sagte ihm, dass er kurz nachdem er zu ihm in den Bus gestiegen war eingeschlafen wäre und bis jetzt fest geschlafen habe.

Ein Traum, dachte er sich, ein Traum, der ihn aber nicht losließ. Zu sehr erkannte er sich in den Raben und in der Raffgier des Spielers. Ihm wurde bewusst, dass er ein Typ war, der allgemein als „Kotzbrocken“ bezeichnet wurde. Ihm wurde klar, dass auch seine Familie ihn so sah. Er wollte aber nicht so sein, er wollte sich ändern. Auf diesen Weg, hin zum Ändern, beschloss er als erstes seiner Familie ein schönes Weihnachtsfest zu schenken und deshalb überraschte er sie nicht mit seiner Anwesenheit.

In der großen Stadt suchte er den Bahnhof auf. In den Räumen der Bahnhofsmission sah er noch Licht. Er ging geradewegs dorthin und als er die Türe öffnete sah er wie die kleinen Vögel Weihnachten feierten und sie wurden von Raben, beziehungsweise von Menschen die Raben sein hätten können, bedient. Er wurde freudig begrüßt und gefragt ob er nicht mitfeiern wolle. Mitfeiern lehnte er ab, aber er bat darum bedienen zu dürfen. Dieser Wunsch wurde ihm gerne gewährt und er merkte bald, dass er zwar bediente, aber ebenso mit den anderen mitfeierte. Es fühlte sich gut an und er war nun noch mehr davon überzeugt, dass es ein guter Entschluss war, sich zu ändern.

Am ersten Weihnachtsfeiertag in der Früh fuhr er mit einem Mechaniker zu seinem liegengebliebenen Mietwagen. Es war nur eine Kleinigkeit am Auto, die der gelbe Engel schnell repariert hatte und er konnte seine Fahrt fortsetzen. Sein Weg führte ihn zurück zum Flughafen. Nach den Feiertagen würde er erst einmal seine berufliche Situation ändern und anschließend sein weiters Leben, um am Ende ein Rotkehlchen oder eine Blaumeise zu werden.

Als er an der Endstation der Bushaltestelle vorbei kam hielt er an und stieg aus. Unweit der Haltestelle am Straßenrand, dort wo er das Gänsespiel gespielt hatte, standen drei kleine alte Steinkreuze.

 

   
             
       

 

Was mir gefällt

 

Was mir gefällt

macht mir ein schlechtes Gewissen

dennoch gefällt es mir so sehr

dass ich mir

immer wieder dieses schlechte Gewissen antue

 

   
             
       

200 Jahre alt werden

Käme heute jemand

der mir sagte

mit einer anderen Art zu schnaufen

da würde ich mindestens 200 Jahre

ich denke

ich würde ihn nicht nach der Art zu schnaufen fragen

würde weiterhin wie gelernt schnaufen

Tag für Tag

Monat für Monat

oder sogar

Jahr für Jahr

wenn das Leben mir dies zugesteht

 

   
             
       

  

Hoidme

                                                                                                    Video (hier klicken)

Hoid me

ganz fest in deine Arm

hoid me

i hob so vui Angst

das me de schwarze Noacht fangt

und i bin alloi

und koi Ton dringt durch des Schwarze

von dir und mir

und i ko ned hearn

wia du mir an Mut zuasprichst.

Hoid me,

brauchst nix song,

brauchst gor ned vui doi

i bin scho vui ruhiger

wenn i merk

i bin in deine Händ.

Hoid me,

hoid me

ganz nah an dir

 

   
             
       

 

Sterb'n                                                                               

                                                                                               Audio (hier klicken)

I bin jetzt achtasieb'zg Johr und i hob nia aufpasst was g'sund is füa mi. I hob nua imma des g'macht wos guad do hod. I hob drunga Bier, Wein und Schnaps und natürli hob i imma g'raucht. Aus mein Leb'n hob i ned imma des beste g'macht und and're dobei in Dreg einedunkt und des wois i ned erst seit gestern, doch jez hob i koi Zeid mehr, jez lieg i in dera kloin Kammer. Vom Bett aufsteh' des konn i nimma und i wois ned soll i woina oda jammern. Vier moi am Dog kummt a Schwesta, de hoid mi dann aus'm Dreg und wenn se ma z'wischn de Boina greift, dann rührt se bei mir nix mehr, nua ab und zua denk i dann dobei an Gestern. Mei Frau, de schaut scho seid Dog'n nimma rei zua mia, wei zum Sog'n ham mia uns nix mehr. I wois, das se de Nachbarn da'zählt, dass i sie abgrunddieaf haß, oba des is mia jez ollas ganz egal wos se üba mi da'zählt, weil i hob jez ganz and're Soch'n de füa mi zähl'n. Domois im Kriag an da Ostfront, mia ham Russ'n da'schoss'n, de se scho längst ergeb'n ham. Nia hob i jemois mid jemand d'rüber g'redt und mei ganz' Leb'n lang hot se des Buid oiwei wieda g'meldt. De Kinda de kemma und ma merkt ganz genau, das es erhna lästig is und wenn's wos sog'n, dann, dass scho wieda werd. Jez lasst ma doch mei Ruah, wei i stirb seit Woch'n und i wois bis heid ned wia ma des duat. Im Krankenhaus ham's me entlass'n, da Doktar hod blos g'sogt das a nix mehr doi ko und dass jez an's sterb'n geht. I erinna mi, das i amoi über's sterb'n g'les'n hob, dass ma sterb'n kann wia a Held, oda wia a Feigling. Jez wois i das des nur Sprüch' war'n, wei jez wois i, sterb'n duat ma nua alloi. Des Krankenbett des is mei Gruft, i bin scho seit Woch'n dod, oba des sterb'n ziagt se und ziagt se. I hob scho seit 10 Dog nix mehr gess'n, nua an Vermouth den schütt i in mi eine, a wenn i ned vui davon behoid'n ko, und du schleichst nua imma um mi rum. Jez bleib' hoid amoi steh und nimm' mi mid, wei i hoid des nimma aus, de Schmerz'n de ko i ertrog'n, oba owei de Angst, wei i wui doch no ned dod sei, doch i wois du laßt ned mid dir hand'ln, deshoib bleib jez endlich steh und lass mi mid dir geh.

 

   
             
       

Weg von hier

 

Weg

nur weg von hier

besondere Ansprüche

habe ich keine

alles was ich will

nur weg von hier

wo jeder sich seine eigene Wahrheit richtet

aber dafür die Hand zum Eid

strickt unten lässt.

 

Ich kann mich gar nicht erinnern

wann dies alles begonnen hat

schleichend kam es irgendwie übers Land

ganz heimtückisch hat es sich

überall festgesetzt

und jetzt wo es nicht mehr zu übersehen ist

will ich nur weg

weg

einfach nur weg von hier.

   
             
       

Vom entscheiden

 

Noch war nichts entschieden

denn immer noch

hatte er sich noch nicht entschieden

denn er wollte nicht so

und auch nicht anders

er wollte sich gar nicht entscheiden

und so zögerte und zögerte er

bis man eines Tages

in der Zeitung lesen konnte

er sei verschieden.

 

   
             
       

     

    Naheliegend

     

    Es ist naheliegend

    und doch unerreichbar

    die Vorstellung

    überall auf der Erde

    könnte Frieden herrschen

     

   
             
       

Kannst du das Licht fühlen

 

Eine Stimme

glitt durch den dunklen Raum

kannst du das Licht fühlen

fragte sie in die Dunkelheit

 

kannst du das Licht fühlen

fragte sie immer wieder

doch was sollte ich antworten

ich fühlte zwar das Licht

doch das Licht war schwarz

und das konnte doch nicht sein

deshalb blieb ich still und

versteckte mich hinter dem Licht

   
             

 

 

 

 

Was es so nicht gibt

 

Brügeleisen

Selbstgetrocknete Marmelade

Frischgefegte Eier

Aufgelöstes Fleisch

Eher lichter Verkehr

Smokingzang

Öffentlicher Auftrittsvorbote

Frisch gepresster Taubensaft

Kraft durch Fäule

Und so heiter und so heiter.

 

 

             
       

Schreibblockade

 

Zum Schreiben riesen Lust

die Muse mich nicht küsst

so sitz ich hier und tue als wenn ich etwas wüsst

doch in mir ist nur Leere und der Frust

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

            In dieser  Nacht

 

In dieser Nacht

In diesem Land

Wurden Sterne an den Himmel gezaubert

Für jeden der im kommenden Jahr

Sterben wird an Hunger - ein Stern

 

In diesem Land

Wird der armen Verhungernden

Ein Feuerwerk dargebracht

 

In dieser Nacht

Da verpackt eine unbekannte Macht

Hirn in Böller und Raketen

Und so geht

In diesem Land

Weiterer Verstand ganz einfach flöten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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